neugierig ?

hin zu den einzelnen Gedichten:

glockensonnenfeuer

glocksummafeia

Dich traf ich Baum

Bussardfeder
 

glockensonnenfeuer

rauchfeuer kreiselnd zum stillblau,
verlorenes gebell des hunds
im sonnendurchwĂĽhlten beet.

dir fällt das atmen schwer
so laĂź dein selbst ins reich der
schatten tauchen,
bis nicht mehr gefĂĽhlt des
lebens feiste stunden.
nur noch der badenden entfernt
gemurmelschreien
holt dich zurĂĽck ins glĂĽhen.

der glockenblume kurze daseinsfrist
kann dich da wohl erschĂĽttern,
und lächeln einer ros im teich
enthebt dich tiefer ängste.

glaub ihr: sie wird dich nicht
belĂĽgen - nimmermehr.

glocknsummafeia

rauchfeia kreislnd zum staadblau,
valoans gebell vo am hund
im sonnaduachwuidn beet.

dia foid des atmen schwaar
so loĂź dei selbst ins reich dea
schattn daucha,
bis ned mehr gfuihd des
lebns foaste stundn.
nua no dea badnden entfernt
gemuamlschrein
hoid di zruck ins glĂĽahn.

dea glocknbluma kuaze daseinsfrist
ko di do woi erschĂĽttan,
und lächln vo oana ros im weia
enthebt di diefa ängst.

glaab ihr: sie wead di ned
belĂĽang - niamois.
 



Dich traf ich Baum

Dich traf ich Baum,
Als ziellos ich durchirrt das wĂĽste Land.
Verharren muĂźt ich dunklen Sinns vor dir
Und lauschen dem Gekrächz der Raben.
Du Baum, du sahst und hörtest viel –
Verhallt ist längst der Schrei,
Da Bruder stach dem Bruder tief des
Messers Stahl ins junge Fleisch
So dass Blut sich gierig in die Erde bohrt.
Doch sahst du auch den Knecht vor dir,
Wie er der reinen, schönen Magd
Den harten Schwanz ins weich’ Geschlecht
Gestoßen, verzückt sie beid’ im Schrei der Lust.
Und auch den Juden, wie sie schlugen ihn und
Schlangen um den Hals den Strick ihm
 Und gurgelnd er noch schluchzt, es lebe Juda!
Den Reigentanz der Mädchen und der
Burschen, sich suchend und dann findend sich
Im DĂĽfteschwanger deiner Krone BlĂĽten.
O Baum! rief ich „siehst du denn nicht
Ins wĂĽste Land gebrannt die Zeichen
Unsrer Zeit – Stein und Beton und Schlamm
Und Götzen hüpfend um das ‚Goldne Kalb’?
Verloren bist du, Baum -  greller Blitz aus
Dunkler Zeiten Wolken und wilder Wintersturm
 Vermochten nicht zu brechen dich,
Doch Menschenwerk lässt dich veröden.
O Baum, ich wein um dich
Und fĂĽhl mit dir des Lebens Kraft
Versiegen.

nach oben

Bussardfeder
 

“Es war doch ganz gut, dass wir noch ein wenig spazieren gegangen sind.” Der Vater lächelte die Mutter an. Sie nickte und sagte „zuerst wollte ich nicht mit gehen, und die Kinder waren auch nicht gerade begeistert von deinem Vorschlag. Oder etwa nicht?“ Sie tätschelte die kleine Biggi auf die Wange und blickte sie zärtlich an. „Ja, Mama, lieber hätt’ ich im 
Fernsehen den Film mit den kleinen Monstern angeschaut, aber der Papa geht halt lieber spazieren.“ Der Vater lachte und sagte „ am Sonntag Nachmittag ist es schon besser, wenn wir an die frische Luft kommen. Und was meint Heino dazu, ha?“ Der Junge stierte vor sich auf den Boden und sagte nichts. „Na gut, wenn du keine Meinung dazu hast, dann ist das auch in Ordnung.“
„Wohin gehen wir jetzt, Mama?“ fragte Biggi. „frag deinen Papa, der hatte die Idee.“ Der Vater schaute unschlüssig umher und sagte dann „wir sollten den kleinen Weg an der Kirche vorbei zu den Büschen laufen. Da gibt es immer was zu beobachten. Es blüht doch noch jede Menge an Blumen und Sträuchern.“ „O ja,“ rief Biggi „vielleicht sehen wir dann auch noch einen kleinen Hund.“ „Vielleicht“, der Vater grinste und lachte vor sich hin.
Sie gingen den schmalen Weg entlang der alten Kirche. An der einen Seite war er von einem Holzzaun begrenzt und auf der andern kamen sie nach kurzer Zeit an der Mauer der Kirche vorbei. Als sie am Ende angelangt waren, rief Heino „schau was da am Boden liegt.“ Er bückte sich und hob die Feder auf. Sie war schmal und braungrau und ganz weich. „Ich will sie“ schrie Biggi, aber Heino stopfte sie in seine Jackentasche.
Am Ende der Kirchenmauer wurde sie von einem Drahtzaun abgelöst. Plötzlich rief Heino „da schaut mal, was ist denn da auf dem Dach.?“ Sie blickten alle nach oben. An der Rückwand der Kirche erstreckte sich ein rechteckiger Sockel, auf dem ein ziemlich großer Käfig angebracht war. Er war auch hoch, und von einer Seite zur andern ragte ein dicker Ast über den ganzen Käfig.
Dann flüsterte Biggi „Mama, da sitzt ja ein Vogel drauf.“ Sie starrten alle auf den Vogel. Man konnte ihn nicht gut sehen, denn er saß regungslos im Schatten der Mauer. „Wie kommt der Vogel dahin?“ Der Vater zeigte mit der Hand nach oben. Da drehte sich der Vogel etwas zur Seite, und Heino schrie „er hat ja nur einen Flügel! Es ist ja ein Raubvogel.“ „Ja gibt’s denn das, ein Bussard, hier im Käfig, mit nur einem Flügel.“ Der Vater schüttelte den Kopf und blickte wie um Hilfe suchend um sich.
„Mama, wer hat dem Vogel den Flügel weggenommen?“ Biggi schaute die Mutter an und umklammerte ihre Hand. „Ich weiß es auch nicht, Kind. Vielleicht hat man ihn angeschossen.“ „Nein, sagte Heino „er hat auf der Autobahn nach Beute gesucht und ist überfahren worden.“ „Ja“ meinte der Vater „so könnte es schon gewesen sein.“
„Mama, ich habe Angst“ schluchzte Biggi „er tut mir ja so leid, der schöne, große Vogel.“ „Du brauchst keine Angst zu haben, Biggi...“ „aber er kann doch nicht mehr fliegen, Mama, er muss doch hier sterben.“ Sie presste sich an die Mutter, und man hörte ihr Schluchzen und Schniefen. Der Vater strich ihr über den Kopf und sagte „er möchte eben auch leben, wie alle Lebewesen und auch wir Menschen.“ „Aber er wird eingehen“ rief Heino „er wird doch nie mehr in Freiheit kommen und andere Tiere jagen.“
Er blickte unverwandt zu dem Vogel in seinem Käfig hoch und beschattete mit der einen Hand seine Augen. „Mama, warum lassen wir ihn nicht frei?“ Biggi zerrte die Mutter zum Zaun und schrie „ich will, dass er wieder fliegen kann!“ Biggi beruhige dich, wir können ihm nicht helfen.“ Aber die Kleine war nicht mehr zu halten. Sie hängte sich an die Maschen des Drahtzauns und rüttelte an den dünnen Drähten, und dicke Tränen liefen über ihre Wangen.
 

nach oben